Wer kennt die Unterwasserwelt der Vulkaneifel?

Claudia Weber-Gebert hat ein Buch darüber veröffentlicht.

Für die Diplom-Designerin, die seit 2001 taucht, sind das Tauchen und die Unterwasserfotografie mittlerweile zum Beruf geworden. Seit 2014 schreibt sie Fotoartikel für deutsche und internationale Tauch- und Unterwasserzeitschriften und hält Vorträge zu Themen der Unterwasserwelt. Für die Unterwasserfotografie macht sie nicht nur Fernreisen, auch die heimischen Gewässer mit ihren Lebewesen gehören dazu. Diese kleinen Seen der Eifel werden die „blauen Perlen der Eifel“ genannt.

Hier das Interview mit  Claudia Weber-Gebert aus der aktuellen Ausgabe Silent World 3-2022:


Wie kamst du auf die Idee, ein Buch über die Unterwasserwelt der Vulkaneifel herauszubringen?

Ich kannte diese klaren Seen seit meiner Kindheit, als unsere Familie die Sommersonntage mit Schwimmen und Bootfahren verbrachte. Und bis jetzt hat noch niemand ein Buch über diese Unterwasserwelt veröffentlicht. Sie werden die „blauen Perlen der Eifel“ genannt – die Luftaufnahme der Maarseen zeigt die blauen Kreise, die einfach wunderschön sind und zum Hineinspringen einladen. Und das habe ich seit 2014 für mein Buchprojekt getan – für alle, die den Kopf nicht unter die Oberfläche stecken können. Jeden Sommer nutzte ich die Gelegenheit, um zu einem der Maarseen oder einem kleinen Fluss zu fahren, um Unterwasserfotos oder Halb-und-halb-Aufnahmen (Splitshots) zu machen. Mit einem Jahr Verzögerung durch Corona konnte mein Buch dann im September 2021 im regionalen Eifelbildverlag erscheinen – ein langes Projekt, das sich aber gelohnt hat.

Die Bilder in deinem Buch zeigen Fischvielfalt und märchenhafte Unterwasserwelten. Wie hast du die Tauchspots ausgesucht?


Hinfahren und einfach schauen, was mich erwartet. Es gibt ja keine Beschreibungen der Spots. Und Tierbegegnungen sind nicht planbar. Also war es immer ein Überraschungspaket. Ich fand wundervolle Szenen unter Wasser, Fische, Frösche, Kröten, Insekten und sogar Schildkröten. Ich schwamm in märchenhaften Unterwasserwäldern aus Seerosen, sah Libellen, die unter Wasser ihre Eier legten, Schwärme von Barschen auf mich zuschwimmen und viele weite wunderbare Begegnungen. Natürlich ist es nicht vergleichbar mit Riffen in den Ozeanen. Die dominierenden Farben sind Blau und Grün, aber in all ihren Schattierungen bis hin zu einem karibischen Türkis. Da es rund um die Seen Naturschutzgebiete gibt, bleiben gefallene Bäume einfach dort und dienen vielen Tieren als Verstecke.


Gibt es auch Verschmutzung in den Maaren?
Ja, leider habe ich auch Zerstörung und jede Menge Müll gefunden, sogar ein Motorrad. So habe ich auch ein Kapitel über Umweltschutz, -information und -bildung eingefügt. Und ich konnte sogar Fotos meiner Beobachtungen von 2015 und später 2018 vom selben Ort hinzufügen, die den Unterschied und die Notwendigkeit zeigen, etwas für die Umwelt zu tun. Denn die Verschmutzung hatte zugenommen. Aber meistens konnte ich wunderbare Natur finden. Die Gemeinden arbeiten mit Hochdruck rund um die Maare, um Weiteres zu verhindern.


Du hast alle deine Fotos im Buch schnorchelnd als Freitaucherin gemacht hast. Gibt es einen Grund dafür und was war die fotografische Herausforderung dabei?


Die Unterwasserwelt dieser Region in Deutschland geriet fast in Vergessenheit, seit in den 1970er-Jahren das Tauchen verboten wurde. Die Maarseen sind sehr tief und kalt und viele Unfälle passierten in diesen Tagen. Also beschlossen die Behörden, die Seen fürs Tauchen komplett zu sperren. Tauchen ist bis heute nicht erlaubt und die Behörden haben mir für mein Buchprojekt auch nach eineinhalb Jahren keine Sondergenehmigungen dafür erteilt. Also habe ich mich entschieden, das alles beim Freitauchen zu tun. Nicht einfach, wenn man es gewohnt ist, Unterwasserfotos mit Tauchausrüstung und Blitzen zu machen. Also habe ich mich auch dazu entschlossen, den Blitz nicht mit unter Wasser zu nehmen, sondern meine Bilder mit Umgebungslicht zu machen, um einfach leichter unterwegs zu sein. 

Neben der Eifel bist du auch in den Weltmeeren unterwegs. Was sind dort deine liebsten Tauchreviere?

Die Unterwasserwelt des Mittelmeers, des Roten Meers – außerdem Atlantik, Indischer Ozean, Pazifik und Korallendreieck. Bei Flugreisen geht es meistens mit normalem Tauchgerät unter Wasser, wenn möglich aber auch mit Rebreather, um einfach leise unterwegs zu sein und den Tieren näher zu kommen. Bei Walen und Delfinen ist es oft besser, ganz ohne Gerät im Wasser zu sein und nur im Freediving abzutauchen. Das sind für mich die wunderbarsten Tierbegegnungen überhaupt.

Informationen zm Buch:

Maare, Quellen, Wasserfälle – Die faszinierende Unterwasserwelt der Vulkaneifel
von: Claudia Weber-Gebert, mit Beiträgen von Tim Becker
176 Seiten, 29 x 24 Zentimeter
ISBN: 978-3-946328-76-6, Preis: 29,90 Euro

www.eifelbildverlag.de